Geschichte

Vor der Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert wurde im Kanton St. Gallen ein neues Waisenversorgungsgesetz geschaffen, das die Situation der Waisen verbessern sollte. Eine grosse Rolle spielten dabei nach wie vor die Kirchen. Primär ging es um die Versorgung der Waisen und «Armleutekinder» in geeigneten Pflegefamilien. Diese mussten gesucht und kontrolliert werden. Pfarrer Brühlmann regte im Evangelisch-reformierten Pfarrkapitel Toggenburg die Gründung eines Vereins an, der die Versorgung der Kinder in geeigneten Familien oder Heimen an die Hand zu nehmen hatte.

 

1901 wurde ein Aufruf an alle evangelischen Kirchgemeinden erlassen, dem neu zu gründenden Verein beizutreten.

 

1902 Die erste Vereinsversammlung fand am 15. Januar im Rathaus in Lichtensteig statt. Der Evangelische Erziehungsverein bestand aus Einzelmitgliedern aus den evangelischen Kirchgemeinden der Kirchenbezirke Toggenburg, Wil, Gossau, Seebezirk und Gaster. Zweck des Vereins war die Suche von Pflegekinderplätzen und die Beaufsichtigung der Pflegekinder.

 

1905 Die erste Hauptversammlung fand statt. Der Verein hatte 1352 Mitglieder. Es waren 47 Pflegekinder zu betreuen. Die Zahl der Pflegekinder wuchs von Jahr zu Jahr.

 

1909 Die Unterbringung einzelner Pflegekinder schuf Probleme. Häufig gab es Klagen über ungehorsame Kinder, andererseits gab es aber auch viele Klagen über die schlechte Behandlung, zu wenig zu essen und gar Missbrauch durch die Pflegeeltern.

 

1912 Es waren insgesamt 176 Pflegekinder untergebracht. In Ganterschwil stand der Platz für ein künftiges Kinder(Mädchen-)heim in Aussicht.

 

1918 In Ganterschwil wurde am 31. Oktober die zu einem Heim umgebaute ehemalige Stickerei bezogen und auf den Namen «Sonnenhof» getauft.

 

1923 Der Neubau «Sonnenhof» wurde mit 35 Kindern bezogen. Am 15. Juli 1923 war die Einweihung.

 

1927 Zur Erweiterung des «Sonnenhofs» wurden 10’000 m2 zugekauft – einschliesslich des alten evangelischen Schulhauses.

 

1933 Der erste Präsident des evangelischen Erziehungs- und Fürsorgevereins und Gründer des «Sonnenhofs», Pfarrer Lauchenauer, trat nach 31 Jahren gesundheitshalber zurück.

 

1934 starb Pfarrer Lauchenauer. Neuer Präsident wurde Pfarrer Trüb, Flawil.

 

1954 Gestützt auf den Auftrag im Schulgesetz des Kantons St. Gallen wurde für den evangelischen Bevölkerungsteil der Betrieb einer Beobachtungs- und Therapiestation aufgenommen. Dr. Walter Züblin war erster Chefarzt. Die Liegenschaft «Sonnenhof» wurde durch einen Anbau erweitert. Um den wachsenden Bedürfnissen des Betriebs nachzukommen, wurden 1965 die baulich erweiterten Gruppenwohn- und Schulräume sowie eine Turnhalle in Betrieb genommen.

 

1961 Dr. Walter Züblin wird an die Universität Bern berufen. Dr. Hermann Städeli wird neuer Chefarzt. Er leitet den «Sonnenhof» bis 1992.

 

1972 Im «Sonnenhof» wurde in einem entsprechend umgebauten Haus das Vorlehrjahr mit Werkschule begonnen.

 

1975 Der «Sonnenhof» wurde vom Regierungsrat als ärztliche Einrichtung mit dem Charakter einer kinderpsychiatrischen Institution anerkannt.  

 

1981 Die seit vielen Jahren angestrebte Erweiterung des «Sonnenhofs» wurde realisiert. Der Bau des Gebäudes für das Vorlehrjahr mit geräumigen Schulzimmern und spezifischen Räumen für Werken mit Holz und Metall konnte vollendet werden. Die Institution nannte sich nun: «Sonnenhof, Kinder- und Jugendpsychiatrisches Zentrum».

 

1994 Die Trägerschaft des «Sonnenhofs» ging vom «Evangelisch-reformierten Verein für diakonische Aufgaben des Kirchenbezirks Toggenburg» auf die «Stiftung Kinder- und Jugendpsychiatrisches Zentrum Sonnenhof» über.

 

1996 Der Regierungsrat des Kantons St. Gallen erteilte – gestützt auf das kantonale Psychiatriekonzept von 1989 – der Stiftung Sonnenhof den Leistungsauftrag zur Führung einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik. Dr. Robert Fisch wird zum Chefarzt gewählt und löst ab 1997 Dr. Michel Egi ab.

 

1997 Das Kinder- und Jugendpsychiatrische Zentrum wurde als Klinik anerkannt und die Finanzierung für die Patienten aus dem Kanton St. Gallen geregelt. Der «Sonnenhof» wurde als Klinik in die Spitalliste des Kantons aufgenommen.

 

2001 Der Kanton St. Gallen schloss mit dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Zentrum Sonnenhof eine Leistungsvereinbarung ab und regelte mit einer Vollkostenfinanzierung und mit der Anerkennung der Klinikschule durch das Erziehungsdepartement die wirtschaftliche Eigenverantwortung der Stiftung.

 

2004 Im Rahmen eines Studienauftrags wurden Projektvorschläge für den Neubau «Bettenhaus» ausgearbeitet und bewertet.

 

2007 Am 11. Januar tagte die vorberatende Kommission des Grossen Rates in Ganterschwil. Im Februar beriet der Kantonsrat in 1. Lesung das Bauvorhaben, und im April wurde der Klinikneubau ohne Gegenstimme gutgeheissen. Der Kanton beteiligt sich am 12-Millionen-Projekt mit maximal 8 Millionen Franken. Der Rest wird von der Stiftung Sonnenhof finanziert. Am 13. Juni erfolgte im Rahmen des 10-jährigen Bestehens der Klinik und 105 Jahre «Sonnenhof» der offizielle Spatenstich. Im Monat Juli wurde das Haus «Flammer» abgebrochen, sodass im August die Bauarbeiten beginnen konnten.

 

2009 Am 6. März fand im Beisein von Regierungsrätin Heidi Hanselmann die offizielle Einweihung statt. Am Samstag, dem 7. März, nutzten rund 1000 Interessierte die Gelegenheit, die modernste Kinder- und Jugendpsychiatrie zu besichtigen, und am 30. März übernachteten die Patientinnen und Patienten das erste Mal in der neuen Klinik.

 

2013 Dr. med. Ulrich Müller-Knapp wird zum neuen Chefarzt gewählt. Er löst nach 16-jähriger erfolgreicher Tätigkeit Dr. med. Robert Fisch ab.

 

2015 Das aus dem Jahr 1923 stammende «Hauptgebäude» wurde vollständig umgebaut und modernisiert. Nun sind im Therapie- und Verwaltungsgebäude alle Arbeitsplätze der Fachpersonen zusammengefasst.

 

2016 Nach einer anderthalbjährigen Einführungsphase wird das neue Klinikinformationssystem (KIS) in Betrieb genommen. Damit gehört die Patientenakte aus Papier der Vergangenheit an. Mit dem neuen System konnten alle Arbeitsabläufe effizienter und einfacher organisiert werden.

 

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