Konzept im Bereich Pflege und Sozialpädagogik

Die Klinik Sonnenhof bietet eine interdisziplinäre milieutherapeutische Behandlung an. Unsere Patienten werden durch das multidisziplinäre Behandlungsteam (Therapie, Pflege/Sozialpädagogik, Schule und Sozialdienst) während mehrerer Tage bis Monate stationär begleitet. Kernaufgabe im Bereich Pflege und Sozialpädagogik ist die Erarbeitung eines individuellen Behandlungsplans für die Patienten. Auf drei Stationen wird eine professionelle Betreuung gewährleistet. Im Bereich Pflege und Sozialpädagogik arbeiten Pflegefachkräfte HF/FH, Sozialpädagogen HF/FH und Lernende sowie Praktikanten aus beiden Bereichen.

 

Der individuelle Behandlungsplan fokussiert sich auf die folgenden Kernaufgaben:

  1. Sicherheit bieten,
  2. Entwicklung ermöglichen,
  3. Empfehlungen treffen.

 

 

Durch eine 24-Stunden-Betreuung, festgelegte Tagesstrukturen sowie Regeln und Rituale erhalten die Patienten Orientierung und Sicherheit. Konsequent durchgeführte Tagesprogramme und Regeln dienen einerseits dem milieutherapeutischen Behandlungsklima und andererseits der Wiedereinführung von verlorenen Sicherheiten in der Alltagsbewältigung.

 

Durch individuelle Beziehungsangebote, Gruppenaktivitäten und Projektarbeit schaffen wir ein wohlwollendes und angenehmes Klima, das Vertrauen und Akzeptanz schafft. Dieses Klima bildet im Verlauf des Aufenthalts die Grundlage der sich entwickelnden, professionellen pädagogischen Beziehung zwischen dem Patienten und den Mitarbeitenden. Die Entwicklung hilfreicher Problemlösestrategien und das authentische empathische Verständnis für die inneren Nöte der Patienten machen positive Veränderungen möglich.

 

Immer wieder werden wir mit Patienten konfrontiert, die durch ihre Ängste und/oder Emotionen so belastet sind, dass für sie oder ihre Umgebung eine akute Gefahr besteht. In diesem Moment fokussiert sich der Schwerpunkt unserer Arbeit auf das Thema «Sicherheiten». Um in solchen herausfordernden Situationen professionell begleiten und handeln zu können, werden alle Mitarbeitenden zunächst in einem 5-tägigen Basiskurs zum Thema «Aggressionsmanagement» ausgebildet. In nachfolgenden jährlichen «Refresher»-Kursen werden aktuelle Themen bearbeitet und wichtige Techniken, z.B. die verbale Deeskalation, geübt und gegebenenfalls modifiziert.

 

Damit der Patient sich so viel wie möglich in der Beziehungswelt üben und entwickeln kann, stehen ihm jeweils zwei Bezugspersonen aus den Bereichen Pflege und Sozialpädagogik als individuelle Ansprechpartner zur Seite. Gemeinsam mit dem Bezugstherapeuten sind diese als «Tandem» für den direkten Behandlungsprozess verantwortlich, wobei die Schlussverantwortung immer dem therapeutischen Bereich obliegt. Die Bezugspersonen der Station führen wöchentliche Gespräche mit dem Patienten. Sie beobachten, analysieren, unterstützen und konfrontieren Patienten in alltäglichen und persönlichen Belangen. In der Folge werden entwicklungs- und gesundheitsfördernde Massnahmen möglich.

Dieser Prozess wird – gemeinsam mit dem Patienten – und den Eltern sowie wichtigen Bezugspersonen und Behörden gestaltet. Der vereinbarte Behandlungsprozess wird in interdisziplinären Gesprächen geprüft und gegebenenfalls angepasst.

 

Unsere Patienten wohnen für die Dauer ihres Klinikaufenthalts in sehr schön gestalteten Wohnräumen mit anderen Patienten in einer Gruppe zusammen. Die Unterbringung erfolgt vor allem in Ein-Bett-Zimmern; es besteht jedoch die Möglichkeit, pro Gruppe bei einer vorhandenen Indikation ein Zwei-Bett-Zimmer zu beziehen. Arbeitsgrundlagen wie gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme sowie adäquate Abgrenzung und Respekt werden angestrebt und sowohl im Einzel- als auch im Gruppenrahmen gelebt. Das soziale Miteinander der Gruppe im milieutherapeutischen Prozess bietet ein gutes Lernfeld, ermöglicht neue Beziehungserfahrungen und schafft mit einem positiven Modellverhalten der Mitarbeitenden für die Patienten die notwendigen Voraussetzungen, um eigene Denk-, Erlebens- und Verhaltensmuster zu verändern oder neu zu entwickeln.

 

Die Kompetenzen unserer Patienten werden durch den alltagspädagogischen Rahmen, die individuelle Förderung und Behandlung sowie die begleitende Familienarbeit meist so weit gestärkt, dass nach rund zwei Monaten durch das multidisziplinäre Team eine Empfehlung und eine Austrittsprognose gestellt werden kann. Die multidisziplinären Teams werden durch regelmässige Supervisionen beraten und durch eine kontinuierliche Schulung und Fortbildung weiterqualifiziert.